Mit Professor Dr. Omar Akbar, von Oktober 1998 bis Dezember 2008 Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, kam am 4. September 2008 nicht nur ein temperamentvoller Architekturphilosoph ins Vogthaus, sondern auch ein international renommierter Professor für Städtebau. Der in Kabul geborene promovierte Architekt lebt seit 1960 in Deutschland. Nach verschiedenen beruflichen Stationen im In- und Ausland übernahm er 1993 an der Hochschule Anhalt in Dessau die Professur für Städtebau und Architekturtheorie und empfahl sich 1998 auch mit umfangreichen Publikationen im Bereich Architektur und Urbanismus als erste Wahl für die Leitung der Stiftung Bauhaus Dessau (1994 gegründet).
Ihm gelang es in kurzer Zeit, das Institut als Ort der Forschung zu Fragen der „urban studies“ zu etablieren und ihm einen viel beachteten Platz im Forum internationaler Urbanistik-Diskussionen zu erarbeiten. Mit der Formel von der „Aktualisierung der Moderne“ hatte der polyglotten Direktor die Neupositionierung des Dessauer Thinktanks eingeleitet, der sich in erster Linie um die theoretische Vorbereitung zur praktischen Lösung von Gegenwartsproblemen bemüht und dabei ein weites Feld vom Stadtumbau in schrumpfenden ostdeutschen Städten bis zu den „Transformationsprozessen in postsozialistischen Ländern“ absteckt. Als erklärter Gegner von Rekonstruktionen musste sich Dr. Akbar dabei immer wieder gegen jene Gralshüter des Bauhausgedankens zur Wehr setzen, die vor allem die kulturelle Pflege des Erbes oder die touristische Destination und Vermarktung als vorrangig ansahen.
Als gefragter Experte zum interkulturellen Dialog am Beispiel moderner Stadtgesellschaften, für interdisziplinäre Konzepte für die Stadt der Zukunft oder zum Strukturwandel altindustrieller Regionen plädiert Professor Dr. Akbar dafür, alle gesellschaftlichen Kräfte an Konzepten und Projekten des Stadtumbaus zu beteiligen, aber auch für „Liegenlassen“ und „Abwarten“ als legitime Strategien des „Luftholens in dynamischen Zeiten“. Mit einem positiven Bewusstsein von „Leere“ und „Umbruch“, so resümierte Dr. Akbar den Workshop ort.zukunft: weniger ist mehr, „werden Räume anders wahrgenommen und können sodann wieder in Wert gesetzt werden“. Und bewertete „urbanes Verhalten“ als „Resultat von offenen Kulturen und Stadtstrukturen.“
Der locker-heitere, im Parlandostil gehaltene Vortrag des Weltbürgers Akbar wurde in der anschließenden Diskussion vortrefflich ergänzt durch die feinsinnigen Anmerkungen der Journalistin und Autorin Ira Diana Mazzoni, die auch der Rekonstruktion von verschwundenen Zuständen der Vergangenheit eine Absage erteilte.


