Das stattliche spätmittelalterliche Gebäude, das 1473/74 auf der Parzelle des ehemaligen Kumbrechtz Hauses neu errichtet wurde, erfuhr eine wechselvolle, private-öffentliche-kirchliche Wirkungsgeschichte. Der reiche Gerber Josef Steinhauser, der selbst in der Bachstrasse ansässig war, hatte das Vogthaus neu aufbauen lassen und vermietete es an den seit 1461 als Vogt von Schmalegg amtierenden Peter Späth. Steinhauser übernahm dabei den auf dem Haus seit 1435 liegenden Sondersiechenzins von 9 Schilling Pfennig für das Heilig Kreuz Spital, den auch  der Schmalegger Vogt weiter führte.

 

Peter Späth kaufte dann 1486 als 60jähriger das Vogthaus von Steinhauser vermutlich als Alterssitz. Nach dem Tod des wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten einst aus dem Dienst entlassenen Vogtes (1504) wird die Stadt Besitzer und verkauft das Haus ihrerseits nur wenige Jahre später (1514) an den Kaplan, Magister Heinrich Schmid. Dadurch wurde das Vogthaus Eigentum der Katharinenpfründe der St. Jodokskirche. Ursula von Neidegg, ein Nachkomme von Hans von Nidegg, hatte die ursprünglich aus drei Häusern bestehende Pfründe am 20. November 1466 gestiftet.  Die 1672 dann  in "Neideggpfründe" umbenannte Stiftung zu St. Jodok forderte ein Amt an jedem Festtag in der Kirche und wöchentlich drei Messen im Heilig-Geist-Spital. Zur Stiftung gehörten mehrere Höfe in Mochenwangen und Umgebung und durch eine zusätzliche Messstiftung des Bürgers Hans Scherer vom 6. Juli 1480 erhielten die im Vogthaus wohnenden Kapläne und Inhaber der Altarpfründe (bis 1802/1811) weitere Grundrenten in Zußdorf und Bermatingen.

 

Die Säkularisation am Beginn des 19. jahrhunderts stellte auch für das Vogthaus einen tiefen Einschnitt dar. Das Patronat über St. Jodok ging zunächst an eine Familie Sternberg, die aber selten, wenn gar überhaupt, in Ravensburg ansässig war. Und so kam es hauptsächlich in der Frage der Besetzung und Nutzung der Kaplaneipfründe immer wieder zu Missverständnissen zwischen der Stadtverwaltung und der neuen Patronatsbesetzung.  Im Zuge der bayerischen Schulreform wurde 1805 in Ravensburg neben der Lateinschule  eine "paritätische Realschule" errichtet, was die Kosten für den Unterricht in der Stadt enorm steigerte. Um das Geld aufbringen zu können, entstand ein eigener lokaler Schulfonds, dessen Grundstock das aus dem Kirchenvermögen herausgenommene Neideggsche Benefizium sowie die Weihermannsche und Hübschlinsche Pfründe bildete. 1827 kehrte das Vogthaus in privaten Besitz zurück und ist von da an nur mehr ein "absteigendes Kulturgut".

 

1906 kauft die Stadt das seit 1836 als Bauernhof bewirtschaftete und "Freysches Anwesen" genannte Gebäude, in dem dann bis 1955 auch städtische Angestellte wohnten sowie der städtische Bauhof untergebracht waren. Schließlich findet das seit 1941 geplante Ravensburger Heimatmuseum (1955-2004) im Vogthaus seinen Platz.  

 
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